Mordstage 2009

Die Mordstage 2009 wurden als gemeinsames Krimiautorenfestival mit der Criminale in Singen-Schaffhausen durchgeführt.

Die Criminale ist das Jahrestreffen des Syndikats, der gesamtdeutschsprachigen Krimiautorenvereinigung.

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CRIMINALE Singen-Schaffhausen

 

 

Die CRIMINALE, das größte Festival deutschsprachiger Kriminalliteratur,  fand vom 6. bis 10. Mai 2009 in Singen und im Hegau sowie – als erstes grenzüberschreitendes Krimifestival – in der Stadt und im Kanton Schaffhausen statt. Fünf Tage lang waren 265 deutsche, österreichische und Schweizer Krimiautoren in der Region zu Gast sein und haben sich und ihre neuesten Kriminalgeschichten in 40 beteiligten Städten und Gemeinden beiderseits der Grenze präsentiert.

 

Durch die Möglichkeit einer langen und intensiven Vorbereitungszeit zwischen der Bewerbung um die Ausrichtung des Festivals im Jahr 2003 bis zur Durchführung 2009 ist es den Singener Initiatoren gelungen, Stadt, Kanton und den Verein Agglomeration Schaffhausen als Veranstaltungspartner zu gewinnen und ein über 150 Veranstaltungen umfassendes Festival auf die Beine zu stellen. Um die Bevölkerung frühzeitig für Kriminalgeschichten zu begeistern, gab die seit 2004 tätige Soko Criminale Singen bereits 2005 eine erste Anthologie mit regionalen Kurzkrimis heraus, der in den Folgejahren ein grenzüberschreitender Stafettenkrimi sowie eine weitere Anthologie mit Regional-Krimis namhafter Autoren folgte.

 

Mit der Ankündigung einer weiteren Krimianthologie zur Criminale, in der die Gemeinden zum Schauplatz krimineller Taten gemacht und somit in die Kriminalliteratur eingehen würden, konnten die Bürgermeister und Gemeindepräsidenten von annähernd 40 Gemeinden im Hegau sowie in den  Kantonen Schaffhausen und Thurgau als Partner für die Criminale gewonnen werden. Auf Einladung der Gemeinden hielten sich 42 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Frühjahr 2008 einige Tage zu Recherchezwecken in ihren Gastgebergemeinden auf. Aus ihren Erlebnissen vor Ort, Gesprächen mit  Einheimischen oder dem Studium von Ortschroniken entstanden 42 spannende regionale Kurzkrimis für die im März 2009 erschienene zweibändige offizielle Criminale-Anthologie „Gefährliche Nachbarn“.

 

Als weitere Aktivität im Vorfeld des Festivals wurde zusammen mit dem Südkurier als Medienpartner ein Krimi-Schreibwettbewerb für 8 bis 16jährige ausgeschrieben. Um interessierten Schülern das notwenige Know-How zu vermitteln, fanden im November 2008 mehrere Krimi-Workshops in Schulen sowie in den Bibliotheken in Singen und Schaffhausen statt. Die Beteiligung an dem Wettbewerb war demzufolge entsprechend erfreulich, 50 Kinder und Jugendliche reichten ihre spannenden Geschichten ein.

 

Verschiedene weitere Veranstaltungen fanden ebenfalls im Vorfeld der Criminale und zur Einstimmung des Publikums statt. Das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen präsentierte ab November 2008 bis Mitte Mai 2009 die Ausstellung „Die Anatomie des Bösen“, das Städtische Kunstmuseum Singen von März bis Mitte Mai eine Fotoausstellung von Clemens Kalischer und im Kino Cineplex in Singen wurden mehrere Filme aus der Film noir-Epoche gezeigt.

 

An der Eröffnung der Criminale am 06. Mai 2009 in der Stadthalle Singen mit über 550 Gästen – darunter knapp 200 Autoren – nahmen neben dem Singener Oberbürgermeister Oliver Ehret und dem Schweizer Regierungsrat Reto Dubach Vertreter des Landes Baden-Württemberg, des Landkreises Konstanz, von Stadt und Kanton Schaffhausen und allen beteiligten Gemeinden zahlreiche Sponsoren, Vertreter des öffentlichen Lebens beider Länder und natürlich die Presse in großer Zahl teil. Moderator Dr. Walter Filz führte kenntnisreich durch das Programm, in dessen Mittelpunkt kurze Lesungen dreier  Kriminalromanautoren aus den drei Bodenseeländern standen: Felix Huby (D), Hansjörg Schneider (CH) und Alfred Komarek (A). Alle drei Autoren sind durch die von ihnen erfundenen und für das jeweilige Land typischen Kommissare über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt und verdeutlichten in den Lesungen vor allem die sprachlichen Unterschiede der drei deutschsprachigen Länder. Der gelungene und länderverbindende Anlass klang bei einem Drei-Länder-Menue mit dezenter Unterhaltungsmusik und anregenden Gesprächen aus.

 

An den beiden Folgetagen standen vor allem Lesungen der 265 Autoren im Mittelpunkt des Interesses. Das Programm in Singen startete am Donnerstag, 7. Mai bereits um 10 Uhr mit Lesungen in einem Café, gefolgt von Lesungen am frühen und späten Nachmittag u. a. im Kino und in einer Kapelle, Lesungen mit passendem Menü in verschiedenen Restaurants bis zu Lesungen am späten Abend für Nachtschwärmer. Bereits die Frühstückslesung war bis auf den letzten Platz besetzt, und auch alle weiteren Veranstaltungen waren ausnahmslos gut bis sehr gut besucht. Zum Angebot in Singen gehörten außerdem Vorträge über Kunstfälschung und Schmuggel für Autoren aber auch für die interessierte Öffentlichkeit, die ebenfalls auf große Resonanz stießen. Ebenfalls am Donnerstag fanden in vielen Hegau- und Kantonsgemeinden so genannte  „Premierenlesungen“ aus der Criminale-Anthologie „Gefährliche Nachbarn“ statt, die in jeder Gemeinde zu einem Höhepunkt im diesjährigen Veranstaltungsangebot wurden. Zweifellos wurde dabei auf Grund des überwältigenden Erfolges in vielen Gemeinden der Grundstein für künftige literarische Veranstaltungen gelegt.

 

Ein weiterer Besuchermagnet am Donnerstag war die Kriminacht in Schaffhausen, bei der den Besuchern von 18 Uhr bis nach Mitternacht ein ungewöhnlich vielfältiges Programm geboten wurde. Lesungen, Krimiverfilmungen, Krimitheater, Gesprächsrunden, Ausstellungsführungen, Vorträge, Demonstrationen von Polizeieinsätzen und vieles mehr machten den zahlreichen Besuchern, darunter viele Autoren und Gäste aus Deutschland, die Wahl schwer.

 

Mit einer ungewöhnlichen Lesung zu noch ungewöhnlicherer Zeit begann das Programm am Freitag in Schaffhausen: Nach den morgendlichen Schwimmrunden im Hallenbad konnten sich die Frühsportler um 7 Uhr bei einer Lesung direkt vor Ort entspannen. In Singen stand eine weitere Frühstückslesung auf dem Programm, die u. a. von einer Schulklasse besucht wurde. Auch am Freitag wechselten sich tagsüber Lesungen und Vorträge an verschiedenen Orten ab, die für viele Krimifans zu einem wahren Lesungsmarathon wurden. In der Schweiz konzentrierten sich die Lesungen am Freitagabend auf verschiedene Gemeinden des Kantons Schaffhausen, Zentrum auf deutscher Seite war die Singener Stadthalle mit einer langen Kriminacht. Neben Lesungen von 18 bis 24 Uhr in kleineren Räumen der Stadthalle sowie den in unmittelbarer Entfernung gelegenen städtischen Kultureinrichtungen stand die Premiere eines Bodensee-Tatortes mit anschließenden Interviews der Hauptdarsteller in der Stadthalle Singen im Mittelpunkt des Interesses.

 

Auf dem Criminale-Programm standen am Donnerstag und Freitag auch mehrere Veranstaltungen für junge Krimi-Fans. Neben Lesungen an beiden Vormittagen in verschiedenen Singener und Schaffhauser Schulen, Nachmittagslesungen in Bibliotheken und Jugendeinrichtungen begeisterten vor allem Fackelwanderungen auf die Hegauberge Hohentwiel und Hohenkrähen mit anschließenden Lesungen am Lagerfeuer das junge Publikum. Zur Fackelwanderung auf den Hohentwiel war eine Schulklasse aus Friboug /CH angereist, die ihren Aufenthalt in Singen auch zum Besuch des Hegau-Museums und der städt. Bibliotheken nutzten.

 

Der Samstagvormittag war der Mitgliederversammlung der Autorenvereinigung Syndikat vorbehalten. Nachmittags fanden sowohl in Singen als auch in Schaffhausen Lesungen mit prominenten deutsch-schweizerischen Besetzungen statt, und in Singen wurde das obligatorische Fußballspiel der Criminale-Elf gegen die Betriebssportgruppe der Stadt Singen ausgetragen. Zur großen Abschlussgala, dem Tango Criminale, fanden sich schließlich abends gut 700 Besucher in der Stadthalle Singen ein und verfolgten gespannt die feierliche Präsentation der für den Friedich-Glauser-Preis nominierten Autoren in verschiedenen Sparten sowie die anschließende Preisverleihung an die fünf Sieger. Ein weiterer Höhepunkt des Tango Criminale war aber neben der Preisverleihung die Aufführung eines kurzen Theaterstückes über den Namensgeber des Preises, den Schweizer Schriftsteller Friedrich-Glauser, durch das Theater Parfin de Sciècle aus Sankt Gallen. In gehobener Stimmung klang bei Tanzmusik und angeregten Gesprächen eine Criminale aus, die nach einhelliger Meinung vieler Autoren als eine der gelungensten in die Geschichte der Criminale eingehen wird.

 

Um die Preisträger noch einmal gebührend zu würdigen und dem Krimipublikum die Möglichkeit zu geben, diese auch in einer Lesung zu erleben, lud die Firma Karstadt am Sonntagmorgen zu einem Krimifrühstück mit Lesungen aller Preisträger ein, an dem auch viele noch nicht abgereiste Autoren teilnahmen und auch die Presse die Gelegenheit wahrnahm, die Jahresbesten aller teilnehmenden Autoren ausführlich vorzustellen.

 

Die erste grenzüberschreitende Criminale war nicht nur aus der Sicht der Autoren ein fast schon sensationeller Erfolg. Ausnahmslos alle teilnehmenden Gemeinden waren mit dem Besuch ihrer Veranstaltung überaus zufrieden. Die beabsichtigte Durchdringung der Region mit Veranstaltungen und vor allem die überall spürbare Festival-Atmosphäre hat aufgrund der frühzeitigen und kontinuierlichen Werbemaßnahmen bestens funktioniert. Die Bevölkerung diesseits und jenseits der Grenze hat das Festival angenommen, und noch nach zwei Monaten erreichen die Veranstalter fast täglich positive Rückmeldungen – der Erfolg einer Fortsetzung ist somit fast schon garantiert.

 

 

 

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