Paul Lascaux

 

Kelten-Blues

 

 

Textausschnitt

 

"Samuel Zinggs Nervosität und Unsicherheit wuchs mit jedem Schritt, den er innerhalb der ehemaligen Umzäunung der Viereckschanze machte. Er blickte um sich, wie um vor Verfolgern sicher zu gehen. Hatte er nicht eben ein Geräusch gehört? Er schritt die ganze Fläche ab, konnte jedoch keine auffälligen Spuren entdecken. Plötzlich kam ihm der Verdacht gegen Anselm lächerlich vor. Er fragte sich, was er hier suchte.

Dann ertönte ein geflügeltes Rauschen in der Luft, ein Netz wickelte den Anwalt bei jeder Bewegung fester ein, bis er stürzte und die Fäden in den Strahlen der Sonne ein goldenes Leuchten bekamen. Da trat eine Gestalt zwischen ihn und das Licht, so dass Samuel Zingg nur die Umrisse sah, einen groben Mantel, einen Kranz wirrer Haare um eine Glatze. Aber aus dem Dunkel heraus starrten ihn noch dunkler fordernde Augen an, in der Hand blitzte etwas auf.

Zingg, dessen Gehirn in diesem Moment so schnell arbeitete wie noch nie zuvor in seinem Leben, erkannte die Silhouette, ohne sie genau einordnen zu können. Plötzlich erinnerte er sich, den Mann schon einmal im Thormemätteli gesehen zu haben. Als ihm eben der Name einfallen wollte, wurde aus dem Gleissen im Sonnenstrahl der Stahl eines Dolches, der seinen Anzug, seine Brust und zuletzt sein Herz durchschnitt."

 

 

Kritik

 

"Auf der Engehalbinsel lebten einst die Kelten. Gräberfelder in der Aaregg und die Reste eines Keltenwalls zwischen dem Thormebodenwald und dem Thormemätteli sind Zeugen dieser alten Kultur. Der Gott der Anderswelt, Cernunnos, wacht über den Toten. Der Berner Schriftsteller Paul Lascaux weckt im ‚Kelten-Blues' fremde Gottheiten und ruft Kräfte, die sich jeder Einschätzung entziehen. Zwar geht es in seinem Krimi um handfeste Leichen und um eindeutige Motive, aber seine Figuren kämpfen gleichzeitig mit unerklärlich geheimnisvollen Hintergründen und mit einem Grenzgänger zwischen dieser und der anderen Wirklichkeit. Die Geschichte ist spannend und geradlinig erzählt Und der Kelten-Blues legt sich mehr und mehr wie ein feuchtes graues Tuch über Bern."

(Susanne Thomann, Berner Tagblatt)