I n h a lt s v erzeich n is

10 Jahre Mordstage. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .9

Sabina Altermatt
Tod in der Tiefgarage. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12

Christoph Badertscher
Wirklich und wahrhaftig wunderschön. . . . . . . . . . . . . . .27

Daniel Badraun
Wassermann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .42

Wolfgang Bortlik
Der Dreiecks-Killer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .61

Jim Madison Davis
Das Vermächtnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .76

Peter Godazgar und Susanne Mischke
Hildegards Hauptgewinn.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .100

Stefan Haenni
Mittun. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .123

Tim Heald
Pills for people. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .134

Almuth Heuner
Archivalien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .148

Peter Höner
Verständnis für einen Mörder. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155

Eva Maria Hux
Mord nach Noten.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .164

Carmen Iarrera
Die Grenze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .184

Sam Jaun
Der Junge mit der Kapuze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .195

Ulrich Knellwolf
Der Teich beim Bethesda. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .221

Paul Lascaux
Sennentuntschi reloaded. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .239

Sunil Mann
Wunderkerzen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .251

Jutta Motz
Der Koffer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .264

Stephan Pörtner
Weinfelder Auslese. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .286

Michael Theurillat
Rheinfelden forever. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .301

Rubén Varona
Der lackierte Spazierstock. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .325

Erich Weidinger
Mein Nachbar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .346

Viten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .359

.

 

10 Jahre Mordstage!

 

Wer hätte das gedacht, als wir 2001 mit bescheidenen Mitteln, aber großen Ambitionen einen ersten Meilenstein gesetzt haben? Von Anfang an wollten wir die Entwicklung der Schweizer Krimiszene dokumentieren. Zuerst einmal die Veranstaltung unter dem Titel ››Mordstage‹‹, ein Name, der mir an einem heißen Nachmittag im Lorraine-Schwimmbad an der Aare sozusagen zugeschwommen ist. 2001 fand das Festival in Bern statt, 2003 in Zürich, 2005 dezentral in der gesamten Deutschschweiz, 2007 in allen vier Sprachregionen der Schweiz, 2009 zusammen mit der Criminale in Schaffhausen und Singen, und 2011 erweitert um das Treffen der weltweiten Krimiautorenvereinigung AIEP/IACW (International Association of Crime Writers) in Zürich sowie in ausgewählten Orten der Deutschschweiz. Aus bescheidenen Anfängen ist ein Schaufenster für den Krimi in der Schweiz geworden, das jeweils etwa 40 Autorinnen und Autoren mit ihren neuen Publikationen präsentiert.

Begleitet wurde das Festival von Anfang an von Anthologien, die jeweils neue Kurzgeschichten an die Öffentlichkeit brachten: Im Morgenrot (2001), TatortSchweiz (2005), TatortSchweiz 2 (2007, die erste viersprachige Schweizer Anthologie mit unveröffentlichten Texten!), Gefährliche Nachbarn (2009, mit einer Ausgabe für die Schweiz und einer für das deutsche Hegau). Nicht zu vergessen ist, dass dieses Engagement auch zur ersten geschichtlichen Betrachtung des Schweizer Krimis beigetragen hat (Paul Ott: Mord im Alpenglühen, 2005). Eine beeindruckende Bilanz, die einem erst in der Rückschau auf die vergangenen zehn Jahre wirklich bewusst wird, denn keine andere Schweizer Literaturgattung weist einen derart kompakten und umfangreichen Überblick über ihr Schaffen aus.

Und nun Zürich, Ausfahrt Mord! Nicht etwa der Trend zur Darstellung von stets grausameren Delikten oder Serienmördern hat die Autorinnen und Autoren dieser Anthologie zum Schreiben angeregt. Es sind im Gegenteil Texte entstanden, die am Anfang einen beschaulichen Alltag suggerieren, während im Untergrund die Spannung wächst. Die verbrecherische Handlung entsteht nicht nur aus Boshaftigkeit oder Gier, sie ist das Ergebnis von Missverständnissen und unerträglichen Vorstellungen. So entwickelt sich die Beschaulichkeit zum unabwendbaren Zwang, und die Tat ist eher der Endpunkt einer unheilvollen Verstrickung als der Beginn einer detektivischen Recherche.

In diesem Sinne sind die vorliegenden Erzählungen sehr modern. Sie beschreiben zwar eine kriminelle Handlung, aber nur selten eine kriminalistische Aufklärung. So bilden diese Kurzgeschichten Gegenwart ab und bleiben selbst am Puls der Zeit. Andererseits demonstriert die kurze Form auch das damit verbundene Dilemma: Das Verbrechen ist privat, nur in Ausnahmefällen politisch. Es betrifft Einzelschicksale und nicht die Gemeinschaft. Es entlässt die politisch und moralisch Argumentierenden aus der Pflicht, indem sie dem Ver-Einzelten die Verantwortung für sein Tun und Lassen übergeben. Auch dies ist eine moderne Position. Ob es im Einzelfall eine überzeugende ist, mögen die Leserinnen und Leser entscheiden.

Neben bestandenen Schriftsteller/innen konnten wir wiederum einzelne Newcomer integrieren. Die Außensicht auf die Schweiz liefern diesmal Autorinnen und Autoren aus den USA, aus Großbritannien, Kolumbien, Italien, Deutschland und Österreich. Beeindruckend jedenfalls ist die Vielfalt der Themen und des Zugangs zu ihnen, der Einfallsreichtum gerade in einem Genre, in dem man alles gesagt glaubte. Die Kurzgeschichte weist immer noch eine enorme thematische Spannweite auf, die in der vorliegenden Sammlung zum Ausdruck kommt.

 

Paul Ott

 

 

 

 

 

.

 

 

.